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Die Waggoner Ranch

Aktualisiert: Apr 1


Poco Bueno im Alter von 20 Jahren auf den Santa Rodeo Grounds Teil der Waggoner Ranch

Als 1903 W.T. Tom Waggoner den 18- jährigen Lige Reed zum Betriebsleiter seiner 500.000 Morgen großen Ranch gemacht hatte, war Reed verständlicherweise ein bißchen nervös. Außerdem waren die meisten seiner Untergebenen älter als er.

Zwei Ratschläge gab Waggoner dem jungen Chef mit auf seinen Weg: "Lass den Futterwagen immer vor der Viehherde herfahren.

Auf dieser Weise werden sich die Rinder immer vorwärts bewegen. Sie werden dann nicht langsamer oder kehren um, wenn sie hungrig sind."

Und zweitens. Der Koch sollte den Wagen über Nacht in Fahrtrichtung abstellen. "So wird am nächsten Morgen viel Zeit eingespaart", sagte Tom. Nicht nur er, auch kein anderes Familienmitglied wollte jemals Zeit verschwenden!

Tom Waggoner wußte was er tat, als er seinen 18 jährigen Sohn diese große Verantwortung übergab. Im Grunde verlangte er aber nicht weniger, was früher auch von ihm gefordert worden war.


E.P. Waggoner und George Tyler auf der Fort Worth Stock Show 1953 mit Poco Bueno Grand Champion Stallion

Tom`s Vater, Dan Waggoner, übersiedelte 1840 von Tennessee nach Texas und besiedelte als erstes das nördliche Gebiet von Fort Worth. 1852 baute Dan eine Ranch in der nördlichen Region von Texas bei Vernon. Seine Herde zählte damals 230 Longhorn- Rinder und einige Pferde. Er besaß auch einen Sklaven und hatte mit seiner jungen Frau den gemeinsamen Sohn Tom. Die Ranch lag südlich des Red River, der Texas vom Indianer- Territorium trennte. Diese Gegend durchkreuzten manchmal auch die Comanchen und die Kiowas.

Bis 1868 nahm der Besitz der Waggoners bereits ein beachtliches Ausmaß an, dennoch fehlte es an Mitarbeitern. So schickte Dan seinen Sohn Tom, der damals erst 16 Jahre alt war, mit 5.000

Stieren nach Kansas City. Für die Reise stattete er ihn mit 12 Dollar, einer Gruppe von Viehtreibern und 50 gesattelten, aber heruntergekommenen und mit Wunden übersäten Pferden aus.


Wie Franklin Reynolds 1956 in einem Artikel für das Quarter Horse Journal berichtete, kann es möglich sein, dass Tom nach dem Trip mit diesen abgemagerten Pferden zu der Entscheidung gekommen ist, in Zukunft nur mehr mit gesunden und guten Pferden zu arbeiten.

Als 14 jähriger Teenager soll Tom einmal gesagt haben: "Ich möchte die größte Herde, die besten Pferde und am härtesten arbeiten als alle anderen." Mit 17 Jahren machte ihn sein Vater zum vollwertigen Partner. Mit 27 Jahren hielt er die Zügel des riesigen Waggoner Rinderimperium fest in der Hand.

Während dieser Zeit besaß Tom die meisten aller texanischen Pferde, meint Reynolds in seinem Bericht. 1995 erhielten die Waggoners von der AQHA und der nationalen Viehzüchter Association die hohe Auszeichnung "Best Remuda Award" als Anerkennung für ihre außergewöhnlich guten Ranchpferde.


Die größte Ranch der Nation


Das W.T. Waggoner Imperium besitzt die größte Ranch der Nation, die sich innerhalb eines Zaunes befindet. Sie misst 520.00 Morgen verteilt auf sechs Landkreise und beherbergt insgesamt 12.000 Mutterkühe.


Snipper W

Die Ranch wird offiziell unter dem Namen "Dan Waggoner & Sohn" geführt.

Dan starb 1903 und hinterließ alles seinem Sohn Tom. 1923 formte Tom das Imperium des W.T. Waggoner und ernannte sich selbst zum Treuhänder. Drei seiner Kinder- Guy, Electra und E. Paul- wurden zu Direktoren bestimmt. Tom starb 1934. Heute gehört der Besitz E.Paul`s Tochter Mrs. Electra Waggoner Biggs, und A.B. Wharton, einem Enkel von Electra Waggoner Wharton. Der Betrieb lebt von der Rinderzucht, der Farmwirtschaft sowie von Pferde- und Ölhandel.

Nun zu den Pferden. Der große Einfluss der Waggoner auf die Quarter Horse Zucht wurde seit langem erkannt. Pferde wie Rainy Day, Midnight, One Eyed Waggoner, Yellow Wolf, Yellow Jacket, Pretty Boy, Pretty Buck, Snipper W, Pep Up, Jessie James und natürlich Poco Bueno scheinen immer noch in den Papieren und Blutlinien der berühmten Pferde von heute auf. Viele von ihnen wurde damals aussschließlich für die Rancharbeit gezüchtet. Andere speziell für die Show Arena, aber alle hatten sie eines gemeinsam: Sie waren Cow Horses.

Pretty Buck

Aber nicht ausschließlich den Cow Horses galt das Interesse der Familie Waggoner. Tom liebte Rennpferde. Er wollte den reinrassigen Vollbluthengst "Man O`War" kaufen, der Deal misslang leider. Im ist aber zu verdanken, dass 1933 eine Rennstrecke in Airlington/Texas gebaut werden konnte. Leider starb Tom kurz nach der Eröffnung.

Im Jahre 1937 errichtete E. Paul Waggoner seine größte Farm in Airlington, die der Hauptsitz für Showpferde wurde. Dorthin brachte er auch das berühmte Halter- und Cuttingpferd Poco Bueno, den er 1945 den Hankins Brother`s für 5.700.- US Dollar abgekauft hatte. Von dieser Ranch aus begann auch die Karriere der Cuttingpferde Jesse James, Snipper W. und des Rope Horse Pretty Buck.


Jessie James unter Matlock Rose beim cutten eines Rindes

E. Paul starb 1967. Er wurde zur Legende in der Quarter Horse- Industrie und daher 1991 nachträglich in das American Quarter Horse Hall of Fame eingetragen.


Ranchpferde

Sie sind das große Geschäft der Waggoners. Über eine halbe Million Morgen und 12.000 Rinder mit annähernd so vielen Kälbern, die auf riesigen Weideflächen grasen, müssen versorgt und jährlich auf den Viehmarkt gebracht werden. Um konkurrenzfähig zu bleiben, verwenden die Waggoner`s alle modernen Hilfsmittel, die sie sich leisten können- darunter befindet sich auch ein Hubschrauber. Aber trotzdem gibt es Dinge, die sich niemals ändern. Die Cowboys und ihre Pferde sind unersetzbar, wenn eine Kuh mit ihrem Kalb aus einem Schwarm von Moskitos, der so dicht ist, dass man kaum hineinsehen kann, herausgetrieben werden muss.

Dan und Tom Waggoner wussten darüber schon vor 100 Jahren bescheid und der Ranch Manager Jimmy Smith weiß heute noch, was zu tun ist. Rund 200 Reitpferde befinden sich auf der Ranch und jedem Cowboy gehören acht davon. Insgesamt gibt es dort 75 Zuchtstuten und vier Zuchthengste.

Wes O`Neal begann 1958 bei den Waggoner`s zu arbeiten. Heute ist er Betriebsleiter der Farm und lebt auf dem White Face Camp. Er ist für das Wohlergehen der Stuten, der Hengste und der Fohlen verantwortlich und führt das Kommando über zahlreiche Mitarbeiter. "Wir treiben alle Pferde auf die Weide", erzählt O`Neal. " Wir teilen die Stuten auf vier Gruppen auf. Jedes Jahr bringen zwischen 70% und 80 % der Stuten ein Fohlen zur Welt, manchmal sogar noch mehr. Wir treiben die Stuten im April auf die Weide und sammeln sie Anfang Juli zusammen.

Die Zuchtperiode über diese drei Monate hindurch dauert lang genug. Du bekommst einen einheitlicheren Nachwuchs und der Altersunterschied zwischen den einzelnen Fohlen beträgt nur drei Monate. Am Thanksgiving Day entwöhnen wir die Tiere, aber nicht früher, sonst mußt du sie zufüttern. Je länger wir sie draußen lassen können, desto widerstandsfähiger werden sie. Wir geben den Stuten täglich zu fressen, deshalb lernen auch die Fohlen das Futter kennen und wir brauchen uns darum nicht sehr zu kümmern."


King P-234

Die Fohlen werden im Juli, noch im Beisein ihrer Mütter, an das Hälfter gewöhnt und mit einem Brandzeichen markiert. Eine Nummer, die auf das Muttertier schließen lässt, wird auf die linke Schulter gebrannt und das berühmte Zeichen der Ranch, das D, wird darunter plaziert. Eine weitere Nummer, die das Zuchtjahr angibt, wird an der linken Hüfte angebracht. Zum Schluß kommt noch ein Brand auf den Oberschenkel des Fohlens. So ist es möglich, dass ein kurzer Blick genügt und der Cowboy weiß über seine Abstammung und den Jahrgang bescheid.

Wenn die Hengstfohlen ein Jahr alt geworden sind, werden sie kastriert. Im Juni werden sie dann nach Stephenville/Texas auf die Tarleton State Universität der Pferdeklasse übergeben. Jeder Student muß mit einem oder zwei Fohlen arbeiten: Aufhalftern, Hufe geben, aufsatteln üben und das alles täglich über sechs Wochen hindurch. Dann kommen die Wallache wieder zurück auf die Ranch, wo sie wieder bis zu ihrem zweiten Geburtstag auf die Weide entlassen werden. Danach werden sie auf das White Face Camp gebracht und dort angeritten. Sie werden zwischen 30 und 40 Tage lang geritten, bis sie jeweils einen bestimmten Cowboy zugeteilt werden.

Die Pferde, die verkauft werden, sind sehr teuer. Sie gehen nach Montana und Maryland, genauso wie nach Mexico oder Deutschland.


Poco Bueno

Obwohl die Pferde bereits im Alter von zwei Jahren zugeritten werden, "dauert die Arbeit mit ihnen nicht sehr lange", betont O`Neal. "Zweijährige dürfen nicht überstrapaziert werden, sie dürfen auch nicht jeden Tag geritten werden. Unsere Mitarbeiter reiten sie manchmal am Abend und treiben einige Rinder zusammen. Wenn sie 30 oder 40 mal im Jahr geritten werden, vergessen sie das nicht mehr."

Wenn die Pferde drei geworden sind, dauert das Training schon etwas länger. Für die schwere Rancharbeit müßen sie allerdings mindestens vier oder fünf Jahr alt sein.

Die Waggoner Cowboy`s reiten nur Wallache. Trotzdem werden auch alle Stuten angeritten, um erkennen zu können, ob sie dem Pferdetyp entsprechen, der gezüchtet werden soll.

"Natürlich dauert es eine Zeit, bist du über die Qualität des Nachwuchses aus einer Stute genaueres erfahren kannst", erklärt O`Neal, "erst wenn die Stute acht Jahre alt ist und du ihr erstes Fohlen eine Zeit lang geritten hast, weißt du genauer bescheid. Aber du kannst ihre Kinder schon in der Basisarbeit beobachten und darauf schließen, ob sie einen klaren Kopf und einen leistungsfähigen Körperbau haben. Wenn sie nichts zusammen bringen oder keinen ausgeprägten Cow Sense aufweisen, bleiben sie nicht bei uns".


Jackie Bee

Die Blutlinien der meisten Waggoner- Stuten gehen zurück auf die Hengste, welche die Ranch berühmt gemacht haben. O`Neal geht davon aus, dass mindestens 60% von Poco Bueno abstammen. Die vier Zuchthengste von 1995 waren T J Jack Steel, ein Sohn von Jackie Bee und einer Tochter von Steel Bar, sowie Mr Solano Smoke, Watch Frosty Jack (Vater: Two Eyed Jack,

T J Jack Steel

Mutter: Tochter von Colonel Frost) und Peeping Bo Badger (Vater: Peppy San Badger, Mutter: eine Tochter von Doc Bar).


Cowboys

In manchen Arbeitsbereichen hat sich der Job eines Cowboy`s der Waggoner Ranch seit 1903 nicht verändert, als Tom dem Mitarbeiter Lige Reed das Managment übergab. Jeden Morgen um 5.00 Uhr muss der Cowboy noch vor dem eigenem Frühstück seine Pferde füttern. Bis in die 70- er Jahre begleitete die Cowboy`s ein Wirtschaftswagen auf die großen Weiden. Die Männer aßen und schliefen dort. Jetzt gibt es keinen Wagen mehr. Jeder Cowboy schläft in seinem eigenen Bett und jeder frühstückt mit seiner Familie oder in der Küche des Hauptquartier`s. Das Mittagessen wird ihnen dorthin gebracht, wo sie gerade arbeiten.

Da die Ranch größer als 800 Quadratmeilen misst, leben viele Cowboy`s mit ihren Familien in verschiedenen Camps. Die Singles leben in einer Schlafstelle im Haupthaus und essen im Küchengebäude. Die verheirateten Männer essen dort öfter zu Mittag, abends kehren sie aber zu ihren Familien zurück.

Die Männer des Camps stellen am Abend ihre Pferde zusammen auf eine Weide ganz in ihrer Nähe. So brauchen sie am Morgen nicht lange, um sie einzufangen und verschwenden damit keine Zeit.

Jeden Abend werden die Reitpferde in einen Corral getrieben. Am Morgen werden die Pferde, die zur Arbeit herangezogen werden, mit dem Lasso eingefangen.

Im Frühling werden die Kälber aus der Herde sondiert. Ein Cowboy reitet in die Gruppe der Rinder hinein, fängt ein Kalb mit dem Lasso und zerrt es zu den warteten Männern. Dort wird das Zeichen der Ranch in das Fell gebrannt und das Ohr markiert. Das Kalb wird auch verarztet und kastriert.

Wes O`Neal ist verantwortlich für die Pferde und seit 1958 bei den Waggoner`s. Obwohl er hauptsächlich für die Pferde zuständig ist, hilft er auch bei der Rinderarbeit, wenn es ihm zeitlich möglich ist.

Wenn der Cowboy beim Brennen der Kälber mithelfen muß, hobbelt er sein Pferd und zäumt es ab, damit es zwar grasen, aber nicht weglaufen kann.

Dieser Cowboy lässt sein Pferd verschnaufen, während er auf den Rest der Gruppe wartet.

Die Stuten sind in vier Gruppen aufgeteilt, wovon jede von einem Hengst angeführt wird. Sie bringen ihre Fohlen auch auf der Weide zur Welt.


W.T. Waggoner wollte nur die Guten

Vollbluthengst Man O`War, Vater von War Admiral, Man O`War`s Enkel war Sea Buiskit

Die Überzeugung von W.T. Waggoner, nur die besten Hengste besitzen zu wollen, gipfelte in dem Ziel, den Vollbluthengst Man O`War zu kaufen. Einem Artikel aus einer Zeitschrift von 1956 zufolge, bot er Samuel D. Riddle 500.00 US Dollar für das Pferd. Als dieser ablehnte, bot er ihm eine Million Dollar. Als Riddle nochmals ablehnte, hängte er ihm einen Blanko Scheck aus. Darauf sollte er den Betrag schreiben, den er haben wollte. "Geh nach England und kaufe die Juwelen der Krone. Dann reise nach Indien und kaufe Taj Mahal. Dann sage ich dir, wie viel Man O`War kostet", soll der stolze Besitzer gesagt haben.


Poco Bueno

Poco Bueno als Jährling

Das Pferd, das am meisten mit dem Waggoner- Imperium assoziiert wird, heißt Poco Bueno. Er wurde1944 auf der Ranch von Jess Hankins in der Nähe von Rocksprins in Texas geboren. Poco Bueno ist ein Sohn von King P-234 und der Stute Miss Taylor, die eine Tochter von Little Joe ist.


E. Paul Waggoner kaufte das Pferd, als es ein Jahr alt war,

für 5700 US$.

Dann kam der Hengst auf die "Three D Stock Farm" der Waggoner nach Airlington/Texas. Bob Burton ritt ihn an. Doch noch in diesem Jahr verließ er die Ranch. Jener Reiter, der wahrscheinlich das Pferd am meisten geritten hat, heißt Pine Johnson.



Poco Bueno unter Pine Johnson beim cutten eines Rindes

Oftmals wurde Poco Bueno Grand Champion in der Halter Klasse und er und sein Reiter gewannen zahlreiche Cuttin- Wettbewerbe in den Süd- Weststaaten der USA und auch die Cutting- Weltmeisterschaft.

Poco Stampede unter Jack Newton 1955 in Fort Worth

Von Poco Bueno stammen 405 registrierte Fohlen aus insgesamt 24 Zucht- Saisonen ab. Mehr als die Hälfte davon erhielten AQHA- Punkte in den Halter- und Reitklassen. 36 wurden AQHA- Champions und drei davon wurden in der Nationalen Cutting Horse Association`s Hall of Fame eingetragen. Und zwar Poco Mona, Poco Stampede und Poco Lena.

Poco Lena











Poco Bueno starb 1969. Er wurde in der Nähe von der Einfahrt zur Waggoner Ranch im Süden Vernons begraben.




Quellen:

Die Waggoner Ranch, by Jim Jennings, Übersetzt von Vera Reiter aus den Western News 5/2002

Foto: Poco Bueno auf den Santa Rodeo Grounds zur Verfügung gestellt von Frank Perkins. Legends Volume 1, Western Horseman

Fotos: Poco Bueno, Poco Stampede, Poco Lena, Poco Bueno und Pine Jonson beim cutten, Poco Bueno und Poco Bueno und E.P. Waggoner aus Legends Volume 1, Western Horseman

Pine Johnson und Poco Bueno, Poco Bueno und Fagen Miller aus Poco N` Pine by Dillen Shook 1987, Manufactured Edition in the United State of America

Jackie Bee, T J Jack Steel aus Legends Volume 5 Western Horseman 2001

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